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Identität braucht ein Türschild

News-Kategorie: Alle News
Eingestellt von: Prof. Dr. Wolfgang Scherf
Eingestellt am: 16.11.2007

Identität braucht ein Türschild


Offizielle Übergabe des neuen Gebäudes des "International Graduate Centre for the Study of Culture"

GIESSEN (bl). Ein Jahr ist es bereits her, dass die Justus-Liebig-Universität bei der Exzellenzinitiative erfolgreich abgeschnitten hat. Seitdem ist das von Bund und Ländern geförderte "International Graduate Centre for the Study of Culture" (GCSC) schon still und leise seiner Arbeit nachgegangen. "Aber das Zentrum braucht auch eine eigene Identität und Identität braucht ein Türschild, braucht ein Dach über dem Kopf", betonte Uni-Präsident Stefan Hormuth. Gestern nun wurde das neue Gebäude im Rahmen einer Feier mit zahlreichen Gästen in der Uni-Aula offiziell übergeben.

Geradezu in "Rekordzeit", da waren sich alle einig, ist das zweigeschossige, in den charakteristischen Farben blau und weiß gehaltene Gebäude errichtet worden. Und wie Prof. Wolfgang Hallet aus dem Leitungsteam des GCSC bei einer ersten Führung erläuterte, handele es sich nicht nur dem Namen nach um ein Zentrum, sondern um ein echte "Zentrale des Austauschs und der Kommunikation". In seinen Grußworten erinnerte Hormuth daran, dass das GCSC Ergebnis einer intensiven Vorarbeit in Form des Graduiertenzentrums Kulturwissenschaften gewesen sei.

Dr. Rolf Bernhardt, Prof. Wolfgang Scherf und Prof. Stefan Hormuth überreichen Prof. Ansgar Nünning (von links) einen symbolischen Schlüssel. Bild: Lemper
Vergleichbares habe in Deutschland sonst nirgends gegeben. Gründungsdirektor Prof. Ansgar Nünning sprach daher von einem "Pioniermodell zur Reform der deutschen Doktorandenausbildung". Aber auch der "Anspruch der Internationalität", so der Uni-Präsident weiter, sei hier überzeugend eingelöst.

Zu dem "schönen Erfolg" gratulierte auch Dr. Rolf Bernhardt aus dem Ministerium für Wissenschaft und Kunst, das neben der Gießener Hochschulgesellschaft und weiteren Einzelspenden für die Finanzierung des knapp 1,25 Millionen Euro teuren Gebäudes verantwortlich zeichnete. Die Gutachter, so zitierte Bernhardt, hätten an dem GCSC insbesondere dessen interdisziplinären Ansatz sowie das Forschungs- und Trainingskonzept gelobt. Entscheidend sei darüber hinaus aber gewesen, dass an der JLU bereits frühzeitig eine Profil- und Schwerpunktbildung zu Gunsten der Kultur- und der Lebenswissenschaften stattgefunden habe.

Unter dem Motto "Exzellent in Sachen Kultur" stellten Mitarbeiter um Prof. Nünning vor, wie das GCSC seit einem Jahr "exzellente Promotionsbedingungen" schaffe und mit welchen Projekten es sich künftig in der "Champions League kulturwissenschaftlicher Forschung profilieren" wolle. In Erfahrungsberichten verdeutlichten die Doktoranden Mathis Danelzik, Stefanie Bock und Simon Cooke, dass die Ausbildung im GCSC nicht im "stillen Kämmerlein" erfolge, sondern bereits der Doktorand als selbständiger Forscher auf internationaler Ebene unterwegs sei. Zudem werde sowohl auf eine Karriere innerhalb der Universität als auch in der Wirtschaft vorbereitet. Mit welchen Kooperationsprojekten das GCSC in Zukunft Partnern aus aller Welt, sei es aus Wissenschaft, Kultur oder Wirtschaft, seine Türen öffnen möchte, präsentierten Prof. Horst Carl, Leiter der Graduiertenförderung, und die Postdoktorandin Dr. Miriam Wallraven.

"Die Geistes- und Kulturwissenschaften haben in den vergangenen Jahrzehnten eine eminente Erfolgsgeschichte hinter sich", versicherte überdies Julian Nida-Rümelin, Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und ehemals Kulturstaatsminister, in seinem Festvortrag. Nachdem sie nicht mehr als primäre Disziplin zur Ausbildung von Gymnasiallehrern gegolten hätten, sei die Sorge groß gewesen, sie könnten in eine schwere Krise geraten. Doch längst seien Geistes- und Kulturwissenschaftler auf dem Arbeitsmarkt gefragt, zumal die "Kulturbranche eine Wachstumsbranche" darstelle. Denn gerade in Zeiten, in denen es um Produktivitätsfortschritte im technischen Bereich gehe, entstehe auch ein "neuer Bedarf an kultureller Orientierung und Sinnstiftung".

Zugleich aber mahnte Nida-Rümelin, dass die Geistes- und Kulturwissen zu marginalisieren drohen, wenn beispielsweise die Quote an Drittmitteleinwerbungen oder die Anzahl an englischsprachigen Publikationen zum Maßstab gemacht würden. Zudem werde gerade in der Wissenschaftspolitik zunehmend die Auffassung vertreten, solche Fächer sollten sich ganz auf die Lehre konzentrieren, in denen es nicht um große Drittmittelprojekte gehe. "Ein konstitutives Element, dass nämlich die Lehre aus Forschungserfahrungen erwächst, geht dadurch verloren." Der Erfolg des GCSC sei entsprechend ein "Erfolg der deutschen Geistes- und Kulturwissenschaft" und ein Beleg dafür, diese Entwicklung umkehren zu können.

Quelle: Gießener Anzeiger
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