Uni-Orchester Gießen spielt „Star Wars“,
Gershwin und 2. Klavierkonzert von Rachmaninow
Wer es am Sonntagabend schaffte, durch die fußballbegeisterten Menschenmassen und zahlreichen Straßensperren bis zur Kongresshalle durchzudringen, den erwartete dort ebenfalls ein wahres Fest der Emotionen: Hochdramatisch und virtuos spielte das Universitätsorchester unter der Leitung von Stefan Ottersbach bekannte Filmmusik aus „Star Wars“ und „Ein Amerikaner in Paris“. Komplettiert wurde das Programm durch das 2. Klavierkonzert von Rachmaninow, virtuos vorgetragen von Arina Bönhof als exzellente Solistin.
Allen Werken, die das gut gelaunte Orchester zu Gehör brachte, war eins gemeinsam: Sie wurden als Filmmusik komponiert oder fanden zumindest immer wieder als solche Verwendung. Die den Werken innenwohnende Emotionalität und die Fähigkeit, durch hohe Spannung und rasante Entwicklung das Publikum mitzureißen und klanglich zu fesseln, schien bei diesem Konzert durch die exzellente Interpretation der jungen Musiker besonders ausgeprägt. Ihr Potenzial zur dramatischen Gestaltung und zur ausdrucksstarken Tutti konnte sich in diesem Programm hervorragend entfalten.
Doch auch die ruhigen Passagen gelangen bereits bei dem ersten Werk, der Filmmusik zu „Ein Amerikaner in Paris“ mit Bravour. Diese 1928 von Gershwin vertonten Eindrücke eines amerikanischen Besuchers, die dieser bei einem Streifzug durch Paris gewinnt, sind geprägt durch ihre Vielseitigkeit: hupende Taxis, Tanzmusik und einsame Plätze fasste der Komponist ebenso in Töne, wie das Heimweh des Besuchers und den Trubel des französischen Nachtlebens. Mit exakter Koordination und stets passender dynamischer Gestaltung gelang es dem Orchester stets, die jeweilige Stimmung dieser ständig wechselnden Eindrücke in die passenden Klänge zu kleiden.
Brillante Interpretation
Auch Rachmaninows 2. Klavierkonzert, wenngleich nicht explizit dafür geschrieben, fand als Filmmusik häufig Verwendung. Die das Werk charakterisierende Dramatik und Erhabenheit konnte die Solistin Arina Bönhof in ihrer brillanten Interpretation vollständig entfalten. Die junge und zierliche Pianistin spielte einen unerwartet energischen und stark differenzierten Rachmaninow, ließ es jedoch nie an Zurückhaltung und Besonnenheit fehlen.
Gänsehaut garantiert
Obwohl der harte Klang des bereit gestellten Flügels sich nicht immer recht in den Gesamtklang des Orchesters einfügen wollte, schaffte Bönhof es stets, in einen einfühlsamen und vielsagenden Dialog mit den übrigen Musikern zu treten, so dass bereits beim ersten dramatischen Einsatz des Orchesters Gänsehaut garantiert war. Auch im zweiten Satz gelang nach einem gelungenen Bläsereinstieg das Zusammenspiel zwischen der Pianistin und den Streichern in beispielhafter Ausgewogenheit, bei der jedoch stets die Vorrangstellung des Klaviers gewahrt wurde. Ihre ausgesprochene Virtuosität stellte Bönhof auch im anspruchsvollen dritten Satz unter Beweis und beeindruckte das begeisterte Publikum durch Souveränität und exzellente Ausgestaltung.
Susanne Engelbach
2010 © Gießener Anzeiger
Uni-Orchester begeistert in der Kongresshalle
Bereits seit fünf Jahren dirigiert Stefan Ottersbach das Uni-Orchester. Dass sich das von Amateurmusikern gebildete, rund 90-köpfige Ensemble unter der Leitung des Universitätsmusikdirektors kontinuierlich weiterentwickelt, merkt man deutlich, wenn man die Semesterabschlusskonzerte regelmäßig besucht. So auch am Sonntag in der gut gefüllten Kongresshalle.
In George Gershwins Rhapsodie »An American in Paris« traf das Orchester vorzüglich die muntere Verspieltheit und zeigte Humor bei den markanten, oft witzigen Motiven. Das Klangbild wirkte sehr räumlich und facettenreich. Recht wuchtig gerieten die Höhepunkte. Die ebenso gefühlvolle wie kontrastbetonte Interpretation weckte bildhafte Assoziationen an das bunte Treiben in der französischen Metropole. Im Ganzen dank der verblüffenden Musizierlaune ein starker Auftakt.
Sergei Rachmaninows Klavierkonzert Nr. 2 c-Moll op. 18 reichte da nicht heran, auch wenn der Beginn vielversprechend schien: Pianistin Arina Bönhof, die kurz vorm Diplom an der Musikhochschule Freiburg steht, spielte die Klaviereinleitung kernig, kurz darauf setzte das Orchester mit einem schwelgerischen, klanglich breit und ausdrucksintensiv dargebotenen Thema ein. Bönhofs Intonation erwies sich im weiteren Verlauf als ziemlich hell, aber nicht sehr geschmeidig, vielmehr eine Spur zu hart; trocken trug sie die figurativen Passagen vor. So einfühlsam das Orchester auch begleitete, die Interpretation des Kopfsatzes wirkte wegen Bönhofs wenig differenziertem Anschlag oft etwas spröde. Im »Adagio sostenuto« mutete ihre Tongebung wieder zu hart, nicht richtig rund an, zudem wünschte man sich die Musik wesentlich poetischer gestaltet, was aber auch hier nicht dem sensibel agierenden Orchester anzulasten ist. Auch beim »Allegro scherzando«-Finale ließ die Pianistin Gespür für Klangsinnlichkeit und dynamische Nuancen vermissen.
Weit größeres Vergnügen bereitete nach der Pause John Williams’ »Star Wars Suite«. Klanglich knackig und mit viel Energie trug das Orchester die Titelmusik zu George Lucas’ populärer Science-Fiction-Filmserie vor; Schlagzeug und Blechbläser setzten mächtige Akzente. Bei der lebendigen, weiträumigen, durchweg packenden Darbietung fühlte man sich regelrecht in ein riesiges Kino versetzt und konnte sich spannende Weltraummissionen vor Augen halten. Recht stimmungsvoll und farbfreudig gelang dem Orchester »Princess Leia’s theme«, während »The imperial march« straff im Rhythmus und mit großer Entschiedenheit daherkam.
Ottersbach dirigierte hingebungsvoll eine Komposition, die das Orchester spürbar gern spielte und die auch beim Publikum auf Begeisterung stieß, wie der lang anhaltende, frenetische Beifall bewies; zwei Zugaben folgten.
Sascha Jouini
2010 © Gießener Allgemeine Zeitung
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